Teures Kerosin: Ryanair prüft Nullrunden, kleinere Crews und mehr KI
Ryanair meldete am 2. November für das Halbjahr bis September einen um 15 Prozent geringeren Gewinn von 2,15 Mrd. Euro und erwartet für das Geschäftsjahr 2027/28 rund 2 Mrd. Euro höhere Treibstoffkosten.
Der hohe Ölpreis kommt bei den Beschäftigten an: Europas größte Billigairline nennt befristete Nullrunden und kleinere Besatzungen als Sparhebel. In derselben Liste steht der stärkere Einsatz von KI.
Was passiert ist
Laut Halbjahresbericht stiegen die Treibstoffkosten um 15 Prozent auf 3,40 Mrd. Euro, vor allem weil sich der Preis für die nicht abgesicherten 20 Prozent des Kerosins verdoppelt hatte. Für das laufende Geschäftsjahr sind rund 80 Prozent zu etwa 67 Dollar je Barrel abgesichert, für 2027/28 erst ein Viertel zu rund 95 Dollar. Nach aktuellen Terminpreisen erwartet Ryanair für 2027/28 eine um etwa 2 Mrd. Euro höhere Treibstoffrechnung. Die Zahl der Fluggäste stieg im Halbjahr um 6 Prozent auf 125,8 Millionen, der Durchschnittspreis sank um 4 Prozent auf 55,70 Euro, der Gewinn nach Steuern fiel von 2,54 auf 2,15 Mrd. Euro. Die Personalkosten stiegen um 5 Prozent auf 0,97 Mrd. Euro, wegen vereinbarter Lohnerhöhungen und neuer mehrjähriger Tarifverträge. Als Gegenmaßnahmen nennt Ryanair neu verhandelte Flughafengebühren, kleinere Besatzungen je Flugzeug, mögliche befristete Lohnstopps beim Auslaufen von Tarifverträgen und mehr KI. Finanzchef Neil Sorahan sagte laut dpa-AFX zu Bloomberg, alles liege auf dem Tisch. Das Ziel für das Geschäftsjahr senkte Ryanair von 216 auf 214 Millionen Passagiere.
Was daraus folgt
Der Fall zeigt, wie ein Energiepreisschock in Tarifrunden weiterwirkt. Wenn die Treibstoffrechnung um 2 Mrd. Euro steigt, suchen Airlines den Ausgleich bei Posten, die sie selbst verhandeln: Personal und Flughäfen. Einordnung: Für Crews in Deutschland und Österreich wird entscheidend, wann ihre Tarifverträge auslaufen; konkrete Zahlen, wie viele Stellen kleinere Besatzungen oder KI-Einsatz betreffen, nennt Ryanair nicht. Regionalflughäfen, die von Ryanair abhängen, geraten bei den Gebühren unter Druck. Für Reisende sind die Preise im laufenden Quartal laut Ryanair leicht über Vorjahr, für das Frühjahr gibt es noch keine Sicht. Lufthansa legt am 3. November eigene Zahlen vor; ob sie ähnliche Hebel nennt, zeigt, ob Ryanair ein Einzelfall ist.
Was sich konkret ändert
- Beschäftigte
- Ryanair nennt befristete Lohnstopps beim Auslaufen von Tarifverträgen und kleinere Besatzungen je Flugzeug als mögliche Sparhebel.
- Flughäfen
- Ryanair will Flughafengebühren neu verhandeln; Standorte, die stark von der Airline abhängen, haben wenig Verhandlungsmacht.
- Reisende
- Im Halbjahr sanken die Durchschnittspreise um 4 Prozent; für das laufende Quartal sieht Ryanair sie leicht über Vorjahr.
Worauf zu achten ist
- Auslaufende Tarifverträge bei Ryanair-Crews und Reaktion der Gewerkschaften
- Kerosinpreis und Absicherungsquote für das Geschäftsjahr 2027/28
- Ob Lufthansa und andere Airlines ähnliche Sparhebel nennen
Quellen
- Ryanair: H1 FY27 Results
- Grafa: Ryanair first half profit falls 15% to €2.15 billion
- dpa-AFX-Überblick Unternehmen vom 02.11.2026 (Ariva)
- Investing.com: Ryanair H1 FY27 slides, profit falls 15% on fuel