Software-Jobs: SUSE streicht jede zehnte Stelle und nennt KI
Der in Nürnberg gegründete Linux-Anbieter SUSE baut rund 10 Prozent seiner etwa 1.900 Stellen ab; Chef Dirk-Peter van Leeuwen begründet das in einem Memo vom 2. November mit Automatisierung und KI.
Ein Softwarehaus mit deutschen Wurzeln begründet einen Stellenabbau ausdrücklich mit KI. Die Begründung, die bisher vor allem Banken und Versicherer nutzten, erreicht damit die Hersteller von Unternehmenssoftware selbst.
Was passiert ist
In der E-Mail an die Belegschaft, über die The Register am 2. November berichtete, schreibt van Leeuwen, Automatisierung und KI veränderten grundlegend, wie Softwarefirmen arbeiten. Moderne Werkzeuge prägten schon heute den Arbeitsalltag, der Bedarf an manchen bestehenden Rollen sei stark gesunken. Nach einer Prüfung von Strategie, benötigten Fähigkeiten und Teamstrukturen sei die heutige Organisation samt Kostenbasis auf Dauer nicht tragfähig. Betroffen sind rund 10 Prozent der etwa 1.900 Beschäftigten weltweit, Newsbytes beziffert das auf rund 190 Stellen. Welche Rollen wegfallen, nannte SUSE nicht. Der Zeitplan ist eng: Bis 4. November erfahren die Beschäftigten, ob sie betroffen sind, am 5. November werden Arbeitnehmervertreter benannt, ab der Woche darauf folgen Einzelgespräche. Am 16. November will SUSE die Strategie für das Geschäftsjahr 2027 vorstellen. Bereits im September hatte das Unternehmen langjährigen Mitarbeitern freiwillige Abgänge angeboten; laut The Register nahmen zu wenige an. Einordnung: SUSE gehört dem schwedischen Finanzinvestor EQT, der laut Reuters im März einen erneuten Verkauf prüfte. Wie viel des Abbaus auf KI und wie viel auf die Kostenbasis vor einem möglichen Verkauf entfällt, lässt sich von außen nicht trennen.
Was daraus folgt
Der Fall zeigt einen Mechanismus, der über SUSE hinausreicht: Wenn Werkzeuge Routinearbeit in Entwicklung, Support oder Verwaltung übernehmen, prüfen Softwarefirmen nicht mehr nur Neueinstellungen, sondern bestehende Teams. Bisher stammten die Fälle im KI-Jobzähler von WORTH aus Banken, Versicherungen und Telekommunikation, etwa Barclays, Generali und Sunrise. Mit SUSE kommt ein Anbieter dazu, dessen Produkt selbst in den Rechenzentren läuft, die den KI-Ausbau tragen. Für Beschäftigte in Deutschland greifen die üblichen Verfahren mit Arbeitnehmervertretung; ob es Sozialplan oder Abfindungen gibt, ist nicht bekannt. Laut The Register haben sich SUSE-Beschäftigte in Tschechien inzwischen einer Gewerkschaft angeschlossen. Einordnung: Ein freiwilliges Programm, das zu wenig Zuspruch findet, und danach gezielte Streichungen sind ein Muster, das auch bei größeren Arbeitgebern denkbar ist.
Was sich konkret ändert
- Beschäftigte
- Bis 4. November erfahren SUSE-Beschäftigte, ob ihre Stelle betroffen ist; welche Rollen wegfallen, nannte das Unternehmen nicht.
- Softwarefirmen
- SUSE begründet den Abbau mit Werkzeugen, die den Bedarf an Rollen senken. Damit wird KI auch bei Softwareherstellern zum Argument für kleinere Teams.
- Bewerber
- Ein freiwilliges Ausstiegsprogramm im September fand laut The Register zu wenig Interessenten; nun folgen gezielte Streichungen.
Worauf zu achten ist
- Zahl und Standorte der betroffenen Stellen nach dem 4. November
- Strategie für das Geschäftsjahr 2027, angekündigt für den 16. November
- Ob EQT den Verkauf von SUSE wieder aufnimmt
Quellen
- The Register: SUSE to cut one in ten employees because of... AI
- Newsbytes: SUSE cuts 10% of jobs as AI reshapes software industry
- Newsbytes: SUSE to cut about 190 jobs amid AI and automation