Weniger Entlassungen in den USA: KI ist nicht mehr Grund Nummer eins
US-Arbeitgeber kündigten im Oktober laut Challenger, Gray & Christmas 43.994 Stellenstreichungen an, 71 Prozent weniger als vor einem Jahr; nur 1.265 davon mit Verweis auf KI.
Im Oktober nannten US-Unternehmen KI so selten als Grund für Stellenabbau wie in keinem anderen Monat dieses Jahres. Über das ganze Jahr hat die Konjunktur die KI als häufigsten Grund überholt.
Was passiert ist
Der Personaldienstleister Challenger, Gray & Christmas zählt monatlich die angekündigten Stellenstreichungen in den USA. Im Oktober waren es 43.994, zwei Prozent mehr als im September mit 43.281, aber 71 Prozent weniger als im Oktober 2025 mit 153.074. Von Januar bis Oktober kommen 617.189 zusammen, 44 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. KI wurde im Oktober für 1.265 Streichungen genannt, der niedrigste Wert des Jahres. Seit Januar sind es 121.401, rund ein Fünftel aller angekündigten Streichungen. Marktlage und Konjunktur als Begründung liegen im Oktober mit 16.407 vorn und seit Januar mit 130.531 nun vor KI. Die meisten Streichungen seit Jahresbeginn entfallen auf die Technologiebranche mit 171.501, im Oktober aber hatte sie mit 5.576 ihren schwächsten Monat. Zugleich meldeten Arbeitgeber Pläne für 444.692 Einstellungen, 57 Prozent mehr als vor einem Jahr, getragen vom Saisongeschäft. Die Freiwilligenangebote von Microsoft an 60.000 Beschäftigte zählt Challenger nicht mit.
Was daraus folgt
Der Befund relativiert die These einer KI-Entlassungswelle, widerlegt sie aber nicht. Challenger erfasst nur, welchen Grund Unternehmen nennen, und nicht, ob Stellen wegen KI gar nicht erst neu besetzt werden. Freiwilligenprogramme und Einstellungsstopps fehlen in der Zählung. Unternehmen halten vor dem Weihnachtsgeschäft eher an ihren Leuten fest; Andy Challenger spricht von einem Umfeld mit wenig Kündigungen. Für Führungskräfte im deutschsprachigen Raum heißt das: Begründungen für Abbau verschieben sich von Technik zu Konjunktur. Einordnung: Ein einzelner schwacher Monat ist noch kein Trend, zumal Abbau oft gebündelt angekündigt wird.
Was sich konkret ändert
- Beschäftigte in den USA
- Angekündigte Streichungen liegen im Jahresverlauf 44 Prozent unter dem Vorjahr; KI wird seltener als Grund genannt.
- Tech-Beschäftigte
- Die Branche bleibt mit 171.501 Streichungen seit Januar vorn, hatte im Oktober aber ihren schwächsten Monat.
- Personalabteilungen
- Der Abbau wird häufiger mit Konjunktur begründet als mit KI; Freiwilligenangebote tauchen in der Zählung nicht auf.
Worauf zu achten ist
- US-Arbeitsmarktbericht für Oktober und die Arbeitslosenquote
- Challenger-Bericht für November Anfang Dezember
- Anteil von Freiwilligenprogrammen und Einstellungsstopps in Firmenmeldungen
Quellen
- Challenger, Gray & Christmas: October Layoffs at Three-Year Low; Seasonal Hiring Plans Up 26%
- TheStreet Pro: October Job Cuts at 3-Year Low as Focus Turns to Economic Conditions