Schaeffler streicht 3.460 Stellen, BMW zahlt Abfindungen früher
Schaeffler kündigte am 3. November den Abbau von 3.460 Stellen in Europa und vier Werksschließungen in Deutschland an; BMW senkte am selben Abend die Prognose, weil der Personalabbau schneller kommt.
An einem Tag melden ein großer Zulieferer und ein Hersteller aus Bayern beschleunigten Personalabbau. Neu sind die Werkzeuge: Schaeffler setzt auf freiwilligen Gehaltsverzicht vom Vorstand abwärts, BMW zieht Abfindungskosten ins laufende Jahr vor.
Was passiert ist
Schaeffler will bis 2028 netto rund 3.460 Stellen in Europa abbauen, etwa 2.660 davon in Deutschland, verteilt auf 16 Standorte. Schließen sollen Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach, dessen Beschäftigte großteils nach Frankfurt wechseln, dazu Herstal in Belgien. Die Hälfte der Stellen entfällt auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung. Das sind etwa 9 Prozent der 31.957 Beschäftigten in Deutschland, mit früheren Programmen und 1.800 Altersteilzeitverträgen rund 18 Prozent. Kosten: etwa 480 Mio. €, Ergebnisverbesserung ab 2030 rund 300 Mio. € im Jahr. Hinzu kommt ein befristeter, freiwilliger Gehaltsverzicht, beginnend beim Vorstand; die Höhe ist offen. Die Sparte E-Mobilität schrieb in neun Monaten 571 Mio. € operativen Verlust. BMW senkte die Margenprognose für das Autogeschäft auf minus 0,5 bis plus 0,5 Prozent, bisher 1 bis 3 Prozent, die zweite Warnung in diesem Jahr. Grund ist ein Abfindungsprogramm für die meisten der rund 85.000 Beschäftigten außerhalb der Produktion in Deutschland: am 8. Oktober gestartet, am 20. Oktober wegen hoher Nachfrage geschlossen. Es ist Teil eines Abbaus von bis zu 8.000 Stellen bis Ende 2027 mit rund 1 Mrd. € Kosten, die nun großteils im vierten Quartal anfallen.
Was daraus folgt
Abfindungen, Altersteilzeit und Gehaltsverzicht vermeiden Kündigungen, kosten die Unternehmen aber erfahrene Leute in Verwaltung und Entwicklung. Dass BMW sein Programm nach zwölf Tagen schließen musste, zeigt, wie viele Beschäftigte mit schwierigeren Jahren rechnen. Für Regionen wie Franken, Dortmund und Berlin folgen weniger Aufträge für Dienstleister und weniger Kaufkraft. Für Banken und Mittelstand in der Lieferkette heißt das: Stückzahlen und Margen der großen Abnehmer bleiben unter Druck. Einordnung: KI nennt keines der Unternehmen als Grund, deshalb stehen beide Fälle nicht im KI-Jobzähler.
Was sich konkret ändert
- Beschäftigte
- Bei Schaeffler sind etwa 2.660 Stellen in Deutschland betroffen, vier Werke sollen schließen. Bei BMW ist das Abfindungsprogramm bereits geschlossen.
- Führungskräfte
- Schaeffler plant einen befristeten, freiwilligen Gehaltsverzicht vom Vorstand über alle Führungsebenen; die Höhe ist offen.
- Zulieferer
- BMW erwartet 2026 einen moderaten Rückgang der Auslieferungen. Wer an große Hersteller liefert, plant mit geringeren Stückzahlen.
- Regionen
- Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach verlieren Schaeffler-Werke; Franken ist mehrfach betroffen.
Worauf zu achten ist
- Zahl der angenommenen Aufhebungsverträge in den BMW-Quartalszahlen vom 4. November
- Höhe und Reichweite des Schaeffler-Gehaltsverzichts nach Zustimmung der Gremien
- Reaktion von IG Metall und Betriebsräten an den betroffenen Standorten
Quellen
- Produktion: Schaeffler plant Stellenabbau und Werksschließungen in Deutschland
- Automobil Produktion: Schaeffler plant weiteren Stellenabbau und Werksschließungen
- Cash Online: BMW-Gewinnwarnung – eigenes Sparprogramm belastet die Jahresprognose
- Reuters via Investing.com: BMW cuts automotive outlook for second time as restructuring deepens
- ad-hoc-news: BMW senkt Gewinnprognose wegen Abfindungsprogramm deutlich