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Autobauer verlagern Geld und Werke: Zulieferer und Regionen zahlen

5,82 Mrd. € Quartalsverlust bei VW, 87 Prozent weniger Gewinn bei Audi, China-Teile bei Mercedes, ein Audi-Werk in Georgia: Die Woche zeigt, wohin das Kapital der Autoindustrie geht und wo die Kosten bleiben.

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Autobauer verlagern Geld und Werke: Zulieferer und Regionen zahlen

Das alte Modell, in Deutschland entwickeln und bauen und in China verdienen, trägt nicht mehr: VW, Audi und Mercedes haben in dieser Woche ihre Ziele gesenkt und das Geld in US-Werke und chinesische Lieferketten umgelenkt. Die Rechnung landet bei Beschäftigten, Zulieferern und Standorten wie Neckarsulm, Zwickau und Osnabrück, während Tesla und BYD in Deutschland Marktanteile gewinnen.

Die Woche

Was passiert ist

Bei VW lieferten die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen in neun Monaten 1,22 Mio. Fahrzeuge aus nach 1,88 Mio. im Vorjahr; ihr Beitrag zum operativen Ergebnis drehte von plus 744 Mio. € auf minus 113 Mio. €. Selbst ohne Sondereffekte liegt die Konzernrendite bei 3,8 Prozent. Finanzchef Arno Antlitz nennt das zu wenig, um weiter stark in die Zukunft zu investieren. Mercedes verkaufte im Quartal 8 Prozent weniger Pkw, der gesamte Rückgang kam aus China. Audi nennt US-Zölle als einen Grund für die gesenkte Prognose.

In der Beschäftigung ist das schon sichtbar. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten zur Jahresmitte 691.500 Menschen in der Autoindustrie, 42.300 oder 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, so wenige wie zuletzt 2005. Bei den Zulieferern fiel die Zahl um 7,6 Prozent, bei den Herstellern um 6,1 Prozent.

Einordnung: Die Gewinne aus China haben lange die hohen Kosten in Deutschland mitfinanziert. Fallen sie weg, wird jeder Standort einzeln gegen die USA und China gerechnet.

Fragen

Welche Arbeitsplätze in der Autoindustrie sind am stärksten betroffen?

Am schnellsten schrumpfen die Zulieferer: minus 7,6 Prozent Beschäftigte binnen eines Jahres laut Statistischem Bundesamt, bei den Herstellern minus 6,1 Prozent. Bei der Volkswagen AG kommen 12.000 Stellen zu den mehr als 35.000 hinzu, die 2024 vereinbart wurden. Audi baut bis 2029 bis zu 7.500 Stellen ab und hat für Neckarsulm eine Klausel gezogen, die Verhandlungen über weitere Einsparungen erlaubt. Neu ist das Instrument Transfergesellschaft: Beschäftigte beenden ihren Vertrag und erhalten bis zu zwölf Monate Transferkurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit.

Warum bauen deutsche Hersteller in den USA und kaufen in China ein?

In beiden Fällen geht es um Kosten und Zölle. US-Zölle kosteten Audi laut Reuters 2025 rund 1,2 Mrd. €, bisher kommen Audis US-Fahrzeuge vor allem aus Europa und Mexiko. Das Werk in Georgia soll bis zu 200.000 Autos im Jahr bauen, allerdings erst ab Anfang der 2030er-Jahre. Laut Handelsblatt und Tagesspiegel liegen dem VW-Aufsichtsrat noch keine bindenden Zusagen der US-Regierung vor. Mercedes will ab der elektrischen E-Klasse in der zweiten Jahreshälfte 2027 für die Fertigung in China fast alles vor Ort einkaufen, weil dort mehr als 100 Anbieter um Preise konkurrieren. Aufträge, die bisher an Zulieferer in Europa gingen, fallen damit weg.

Was bedeuten die Warnstreiks in der Metallindustrie ab 1. November?

Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte in Auto, Maschinenbau und Elektrotechnik. Die IG Metall fordert 5 Prozent für zwölf Monate und eine tarifliche Sicherung von Standorten. Gesamtmetall bietet eine Einmalzahlung von 1 Prozent des Jahresentgelts im Juli 2027 und 1,3 Prozent mehr ab Juli 2028, dazu Ausnahmen für schwache Betriebe. Wie groß dieser Kreis wäre, zeigt der Südwesten: Rund 25 Prozent der 641 Mitgliedsfirmen schreiben laut Südwestmetall Verluste, weitere rund 20 Prozent kommen nicht über 2,3 Prozent Umsatzrendite. Einordnung: Der Streit dreht sich weniger um Prozente als um die Frage, wie viele Betriebe künftig unter dem Tarif zahlen dürfen.

Wer gewinnt auf dem deutschen Automarkt?

Der Markt selbst wächst: Im September wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 256.774 Pkw neu zugelassen, 9,0 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zuwächse gehen vor allem an andere. Tesla legte um 268,7 Prozent zu und kam auf 4,9 Prozent Marktanteil, BYD um 85,6 Prozent auf 2,4 Prozent, MG Roewe um 60,8 Prozent. VW verlor 6,1 Prozent, Porsche 18,8 Prozent, BMW 2,4 Prozent; Mercedes und Audi legten zu. Bei Elektroautos gibt es auch deutsche Gewinner: Mercedes setzte im dritten Quartal weltweit 68.000 Elektroautos ab, 61 Prozent mehr.

Die nächsten Wochen

In den nächsten Wochen entscheidet sich, wie hart der Umbau wird. Ab 1. November laufen Warnstreiks, zuerst in Baden-Württemberg, wo viele Zulieferer sitzen. Bei Audi verhandeln Vorstand und Betriebsrat über Einsparungen in Neckarsulm; eine Schließung wird laut dpa diskutiert, beschlossen ist sie nicht. Bei VW geht es um die 12.000 zusätzlichen Stellen und die Transfergesellschaften. Offen ist auch, ob der VW-Aufsichtsrat das Audi-Werk in Georgia ohne bindende US-Zusagen genehmigt.

Ein bis drei Jahre

In ein bis drei Jahren wird sichtbar, was die Verlagerung für die Regionen heißt. VW will rund 31 Mrd. € Kosten einsparen und plant den Verkauf von Volkswagen Osnabrück; vier deutsche VW- und Audi-Standorte haben derzeit keine gesicherte Fahrzeugproduktion. Einordnung: Wenn Aufträge aus China und für die USA wegfallen, trifft das zuerst mittelständische Zulieferer mit wenig Eigenkapital und damit auch die Sparkassen und Volksbanken, die sie finanzieren. Gleichzeitig entstehen auf alten Flächen neue Geschäfte: VW will in Zwickau bis 2030 bis zu 15.000 Altautos im Jahr zerlegen und die Stellen dort von 100 auf bis zu 1.000 erhöhen.

Fünf bis zehn Jahre

In fünf bis zehn Jahren dürfte sich der Wert eines Industriestandorts anders bemessen. Beim früheren Playmobil-Werk in Dietenhofen ist nicht die Halle das Kapital, sondern die 110-Kilovolt-Leitung, die ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt versorgen soll; Investitionssumme und Arbeitsplätze nennt das Unternehmen nicht. VW will in China entwickelte Plattformen, Elektronik und Software in andere Weltregionen exportieren. Einordnung: Damit wandert ein Teil der Entwicklung dorthin, wo die Stückzahlen sind. Für Deutschland bleibt die Frage, ob Batterie, Recycling, Software und Rechenzentren die Arbeitsplätze ersetzen, die im Autobau wegfallen. Belegt ist das bisher nicht.

Was sich konkret ändert

Beschäftigte bei Zulieferern
Ihre Branche schrumpft am schnellsten, minus 7,6 Prozent in einem Jahr. Wegfallende China- und US-Aufträge treffen sie zuerst.
Beschäftigte bei VW, Audi, Mercedes
Abbau läuft über Abfindungen und Transfergesellschaften mit bis zu zwölf Monaten Transferkurzarbeitergeld, nicht über Kündigungen.
Regionale Banken und Mittelstand
Wenn Zulieferer Aufträge verlieren, steigen Kreditrisiken in Regionen wie Heilbronn, Zwickau oder Osnabrück.
Autokäufer
Der Markt wächst, die Auswahl wird chinesischer und elektrischer: Tesla und BYD legten im September um 268,7 und 85,6 Prozent zu.

Worauf zu achten ist

Quellen

  1. Volkswagen Group: Nine-month results underline urgent need for action (29.10.2026)
  2. ad-hoc-news (dts): Volkswagen meldet 5,82 Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal
  3. finanzen.at (dpa-AFX): VW-China-Chef sieht Markt im freien Fall (28.10.2026)
  4. Mittelstand-Nachrichten (dts): VW stellt sich auf dauerhaften Einbruch in China ein
  5. Audi: First US production site in Georgia (25.10.2026)
  6. Handelsblatt: VW-Aufsichtsrat fehlen bindende Zusagen für Audis US-Deal
  7. Tagesspiegel: „Halten faktisch nichts in den Händen“ (29.10.2026)
  8. ariva: Audi veröffentlicht Ergebnisse für das dritte Quartal
  9. 20 Minuten: 87 Prozent weniger, Audi-Gewinn bricht ein
  10. Börsen-Zeitung: Schlechtwetter in Neckarsulm, Audi bereitet Stellenabbau vor
  11. Mercedes-Benz Group: Q3 2026 Interim Report
  12. Investing.com: Earnings call transcript Mercedes-Benz Q3 2026
  13. ariva (dpa-AFX): VW will auch über Transfergesellschaft verhandeln
  14. Berliner Zeitung: Audi USA-Werk und Stellenabbau in Deutschland
  15. Statistisches Bundesamt: Beschäftigung in der Industrie, Pressemitteilung 14.08.2026
  16. Clean Energy Wire: German car industry sheds 42,300 jobs
  17. Kraftfahrt-Bundesamt: Fahrzeugzulassungen im September 2026
  18. ariva (dpa-AFX): IG Metall startet Warnstreiks am Sonntag (30.10.2026)
  19. IG Metall: Tarifrunde Metall und Elektro
  20. onvista (dpa-AFX): Metall-Tarifrunde, Arbeitgeber bieten Einmalzahlung und 1,3 Prozent
  21. Salzburger Nachrichten (APA/dpa-AFX): Playmobil-Werk soll zu Rechenzentrum werden
  22. WirtschaftsWoche: VW startet Hochlauf für Auto-Demontage in Zwickau

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