Informatik verliert 12 Prozent: Der KI-Effekt erreicht die Hörsäle
Laut vorläufigen Daten des National Student Clearinghouse vom 29. Oktober sank die Zahl der Informatik-Studierenden an vierjährigen US-Hochschulen im Herbst 2026 um 12,4 Prozent.
Die Generation, die ihren Berufsweg jetzt wählt, meidet das Fach, das ein Jahrzehnt lang als sicherste Wette galt. Gleichzeitig wachsen Ingenieurwesen und Gesundheitsberufe um mehr als 6 Prozent.
Was passiert ist
Das National Student Clearinghouse, das Einschreibedaten von US-Hochschulen sammelt, meldet für den Herbst 2026 einen Rückgang der Informatik-Studierenden um 12,4 Prozent an vierjährigen und um 12,3 Prozent an zweijährigen Hochschulen; im Masterbereich beträgt das Minus 10,4 Prozent. Die Gesamtzahl der Studierenden blieb mit plus 0,2 Prozent stabil. Ingenieurfächer legten um 6,1 Prozent zu, Gesundheitsfächer um 6,2 Prozent. Die Zahlen beruhen auf 7,92 Mio. Einschreibungen von 46 Prozent der meldenden Hochschulen und werden im Januar revidiert. Die Daten nennen keine Gründe. Einordnung: Der Zeitpunkt passt zu einer Phase, in der große Arbeitgeber Stellen in der Softwareentwicklung streichen und dies teils mit KI begründen, zuletzt Barclays und Amazon. Studierende reagieren offenbar auf die Nachricht, dass Einstiegsjobs im Programmieren am stärksten unter Druck stehen. Bloomberg berichtet am selben Tag unter der Überschrift, Informatik-Programme verlören Studierende, weil KI Jobs übernehme.
Was daraus folgt
Für Unternehmen kann sich das Bild in vier bis fünf Jahren drehen. Wenn heute weniger Menschen Informatik studieren, fehlen später Fachkräfte, die KI-Systeme bauen, prüfen und absichern. Eine AP-Recherche vom 29. Oktober zeigt, dass einige Firmen nach KI-bedingtem Abbau wieder einstellen; Ford holte laut eigener Angabe 350 erfahrene Ingenieure zurück, weil KI-Werkzeuge in der Qualitätskontrolle nicht wie erwartet arbeiteten. Für den deutschsprachigen Raum fehlen vergleichbar aktuelle Zahlen; die Einschreibedaten zum Wintersemester erscheinen später. Die Frage ist, ob der Trend aus den USA hierher überspringt.
Was sich konkret ändert
- Studienanfänger
- In den USA wenden sich Studierende von Informatik ab und wählen Ingenieur- und Gesundheitsfächer, die um mehr als 6 Prozent wachsen.
- Arbeitgeber
- Weniger Informatik-Absolventen ab etwa 2030 können Fachkräfte für KI-Systeme verknappen, wenn der Trend anhält.
- Beschäftigte
- Einige Firmen stellen nach KI-bedingtem Abbau wieder ein, etwa Ford mit 350 Ingenieuren, weil Menschen zur Kontrolle fehlen.
Worauf zu achten ist
- Endgültige US-Daten im Januar 2027
- Einschreibezahlen Informatik zum Wintersemester 2026/27 von Destatis
- Einstiegsgehälter und offene Stellen für Junior-Entwickler
Quellen
- National Student Clearinghouse Research Center: Enrollment Insights
- Forbes: National college enrollment holds steady, according to preliminary report
- Bloomberg: Computer science programs lose students as AI replaces jobs
- AP via WHIO: The AI-linked layoffs that didn't stick