Playmobil-Werk wird Rechenzentrum: 100 Megawatt statt 350 Fabrikjobs
Die Playmobil-Mutter Brandstätter baut das im Juni geschlossene Stammwerk in Dietenhofen zu einem Rechenzentrumscampus mit 100 Megawatt um; zeitgleich startet VW in Zwickau die Zerlegung von Altautos.
Wo bis Juni Spielfiguren entstanden, plant die Horst-Brandstätter-Group einen Rechenzentrumscampus mit 100 Megawatt Leistung; mit der Schließung der Produktion verloren 350 Beschäftigte ihre Stelle. Am selben Tag begann Volkswagen im Elektroauto-Werk Zwickau mit der Serien-Demontage gebrauchter Fahrzeuge.
Was passiert ist
Die beiden Meldungen zeigen, was aus Industriestandorten wird, deren ursprüngliches Geschäft wegfällt. In Dietenhofen war das Werk die letzte deutsche Fertigung von Playmobil, die Produktion ging ins Ausland. Wertvoll ist jetzt der Netzanschluss: Das Gelände hat eine 110-Kilovolt-Leitung, der Netzbetreiber N-ERGIE hat die nötige Kapazität bestätigt. Brandstätter will vom Grundstück mit Anschluss bis zu fertiger Rechenleistung alles anbieten, eine neue Sparte Playmobil digital soll das führen. Eine Investitionssumme, einen Zeitplan oder Mieter nennt das Unternehmen nicht, ebenso wenig die Zahl neuer Arbeitsplätze. In Zwickau, wo rund 8.000 Menschen arbeiten und seit 2020 nur Elektroautos gebaut werden, investiert VW bis zu 90 Mio. Euro in ein Zentrum für Kreislaufwirtschaft. 2027 sollen dort 4.100 Fahrzeuge zerlegt werden, bis 2030 bis zu 15.000 im Jahr. Die Zahl der Stellen in diesem Bereich soll von 100 auf bis zu 1.000 steigen. Zwickau gehört zu vier deutschen VW- und Audi-Standorten, deren Fahrzeugproduktion derzeit offen ist.
Was daraus folgt
Einordnung: Stromanschluss und Genehmigungen werden zum knappsten Gut eines alten Werks. Für Gemeinden kann ein Rechenzentrum Gewerbesteuer und Netzinvestitionen bringen, aber selten so viele Arbeitsplätze wie die Fabrik zuvor; belegte Zahlen für Dietenhofen fehlen. Für Beschäftigte heißt das: Die neuen Stellen verlangen andere Fähigkeiten, und sie entstehen nicht zwingend für dieselben Menschen. Zwickau zeigt eine zweite Richtung. Wenn die EU einen Mindestanteil recycelter Kunststoffe in Neuwagen vorschreibt, wird das Zerlegen alter Autos zu einem Geschäft mit eigenen Jobs. Gemessen an 8.000 Beschäftigten im Werk bleiben 1.000 Stellen bis 2030 aber ein Teil, kein Ersatz.
Was sich konkret ändert
- Beschäftigte
- 350 Stellen in der Playmobil-Fertigung sind weg; ob und wie viele Jobs der Rechenzentrumscampus schafft, ist offen.
- Kommunen
- Ein vorhandener Hochspannungsanschluss macht Brachflächen für Rechenzentren interessant und kann neue Einnahmen bringen.
- Autobeschäftigte in Zwickau
- Die Demontage soll bis zu 1.000 Stellen bringen, bei rund 8.000 Beschäftigten im Werk.
Worauf zu achten ist
- Investitionssumme und Mieter für den Campus in Dietenhofen
- Zahl der Arbeitsplätze, die der Campus tatsächlich schafft
- Entscheidungen von VW über die Produktion in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm
Quellen
- Salzburger Nachrichten (APA/dpa-AFX): Playmobil-Werk soll zu Rechenzentrum werden (28.10.2026)
- t3n: Statt Spielfiguren jetzt Server (28.10.2026)
- ORF: Playmobil-Werk soll Rechenzentrum werden
- Autohaus: VW startet Hochlauf für Auto-Demontage in Zwickau
- WirtschaftsWoche: VW startet Hochlauf für Auto-Demontage in Zwickau