KI-Nutzung ist kein Leistungsziel: Amazon misst Entwickler neu
Amazon veröffentlichte am 27. Oktober eine Richtlinie, die Tokenverbrauch und KI-Nutzungsquoten als Leistungsmaß fehlerhaft nennt; einen Tag später strich der Konzern rund 250 Stellen in der Gerätesparte.
In einer Richtlinie für Softwareentwickler nennt Amazon drei verbreitete Kennzahlen, Tokenverbrauch, Nutzungsquote von KI-Werkzeugen und Menge geänderten Codes, ein tief fehlerhaftes Maß; entscheidend seien langfristige Ergebnisse. Am 28. Oktober strich Amazon laut Reuters rund 250 Stellen in der Gerätesparte, vor allem in der Softwareentwicklung.
Was passiert ist
Viele Unternehmen messen den Erfolg ihrer KI-Einführung daran, wie viel ihre Beschäftigten die Werkzeuge nutzen. Amazon hat erlebt, wohin das führt: Im Mai schaltete der Konzern eine interne Rangliste ab, die Beschäftigte nach ihrer Nutzung des hauseigenen Werkzeugs Kiro sortierte, nachdem Mitarbeiter ihre Werte manipuliert hatten. Die neue Richtlinie, verfasst von Vizepräsident Terk Terkowitz und zuerst im September intern verteilt, misst Entwickler an der Wirkung für Kunden, Geschäft und Team. Wer für seine Arbeit keinen Nutzen aus KI zieht, soll das begründen; das sei ein Befund, kein Versagen. Ganz verabschiedet sich Amazon nicht: Die Kennzahlen korrelierten mit guten Ergebnissen und dürften mit Augenmaß weiter in Beurteilungen einfließen. Belege für diese Korrelation veröffentlicht das Unternehmen nicht. Die Stellenstreichung in der Gerätesparte bestätigte Amazon als kleine Zahl von Rollen, ohne eine Zahl zu nennen. Seit Oktober 2025 hat der Konzern rund 30.000 Stellen in der Verwaltung gestrichen und plant für 2026 Investitionen von rund 220 Mrd. Dollar, großteils für KI.
Was daraus folgt
Einordnung: Für Führungskräfte ist die Lehre, dass ein Nutzungsziel schnell zum Selbstzweck wird; gemessen wird dann der Verbrauch, nicht der Nutzen, und die Kosten steigen. Für Beschäftigte bleibt die Botschaft zwiespältig. Die Richtlinie nimmt Druck heraus, erlaubt aber weiter, die Nutzung in Beurteilungen zu berücksichtigen, und kommt in einer Woche mit neuen Streichungen bei Entwicklern. Ein direkter Zusammenhang zwischen Richtlinie und Abbau ist nicht belegt; Amazon begründet die Streichungen mit einer Überprüfung der Struktur. Für deutsche Unternehmen, die KI-Assistenten breit ausrollen, stellt sich dieselbe Frage: woran Erfolg gemessen wird, bevor die Kennzahl das Verhalten bestimmt.
Was sich konkret ändert
- Softwareentwickler
- Bei Amazon zählt offiziell das Ergebnis, nicht der Tokenverbrauch. Wer KI nicht nutzt, muss begründen, warum.
- Führungskräfte
- Nutzungsziele für KI lassen sich manipulieren und erhöhen die Kosten; Amazon schaltete deshalb eine interne Rangliste ab.
- Beschäftigte bei Amazon
- In der Gerätesparte fielen laut Reuters rund 250 Stellen weg, vor allem in der Softwareentwicklung.
Worauf zu achten ist
- Ob Amazon KI-Nutzung weiter in Leistungsbeurteilungen einbezieht
- Weitere Stellenstreichungen in Software-Teams großer Tech-Konzerne
- Kennzahlen, mit denen deutsche Konzerne ihre KI-Einführung messen
Quellen
- Amazon: Software engineer role guideline and AI (27.10.2026)
- CNBC: Amazon warns engineers about tokenmaxxing (27.10.2026)
- PPC Land: Amazon calls AI usage metrics 'deeply flawed' but keeps using them
- Business Today: Amazon slashes 250 jobs after issuing new AI rulebook (29.10.2026)
- American Bazaar: Amazon cuts 250 jobs in devices unit (28.10.2026)