WORTH
Märkte · China

Chinas KI-Aktien minus 40 Prozent: Bewertung ohne Nachfrage hält nicht

Der Shanghaier Technologie-Index STAR 50 hat in weniger als vier Monaten rund 40 Prozent und etwa 480 Mrd. Dollar Börsenwert verloren; genannt werden hohe Bewertungen, Steuern und drohende US-Sperren.

WORTH Signals · · 3 Min. Lesezeit · English
Chinas KI-Aktien minus 40 Prozent: Bewertung ohne Nachfrage hält nicht

Der Index STAR 50, der vor allem chinesische KI- und Halbleiterwerte bündelt, ist laut Reuters in weniger als vier Monaten um 40 Prozent gefallen und hat rund 480 Mrd. Dollar Börsenwert verloren. Der breitere CSI 300 liegt etwa 20 Prozent unter seinem Hoch vom Juni, der Nasdaq rund 6 Prozent unter seinem Rekord von Anfang Oktober.

Was passiert ist

Chinas KI-Aufschwung war politisch gewollt: Peking lenkte Kapital in Chips, Robotik und Rechenzentren, Privatanleger folgten. Laut Goldman Sachs stehen KI-Werte für 42 Prozent des Börsenwerts und 57 Prozent der Umsätze an den Börsen auf dem Festland und in Hongkong. Entsprechend breit wirkt der Rückgang. Der Robotikhersteller Unitree, dessen Börsengang im August 8.000-fach von Privatanlegern überzeichnet war, hat sich seitdem etwa halbiert. Die Chipentwickler MetaX und Moore Threads haben seit Juli jeweils rund die Hälfte verloren, die Optikzulieferer Zhongji Innolight und Eoptolink etwa 60 Prozent seit ihren Hochs, während Washington darauf zusteuert, sie als Lieferanten von US-Rechenzentren auszuschließen. Einen einzelnen Auslöser gibt es nicht. Genannt werden hohe Bewertungen, Steuerzahlungen, schwache Konsumnachfrage, enttäuschende Margen und drohende Sperren im Ausland. Auch nach dem Rückgang liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des STAR 50 bei rund 100, nach einem Höchststand nahe 250; der Nasdaq 100 kommt auf etwa 30. Peking hat Hebel- und Hochfrequenzhandel eingeschränkt.

Was daraus folgt

Einordnung: Der Fall zeigt, was geschieht, wenn Industriepolitik Kapital schneller lenkt, als Kunden nachfragen. Humanoide Roboter kaufen in China bisher vor allem Behörden und Forschungsinstitute, für Verbraucher sind sie zu teuer. Fällt die Börse als Geldquelle aus, wird Finanzierung für junge Chip- und Robotikfirmen knapper. Fondsmanager Hong Hao erwartet, dass viele geplante Börsengänge ausfallen, ein anderer Investor rechnet mit einem Preiskrieg unter Chipherstellern und KI-Zulieferern. Setzt dieser ein, könnten chinesische Komponenten für europäische Industriekunden billiger werden und europäische Anbieter stärker unter Preisdruck geraten. Für westliche KI-Märkte ist der Rückgang kein Beweis einer Blase, aber ein Hinweis, wie schnell hohe Bewertungen fallen, wenn Erträge ausbleiben. Er fällt in eine Phase, in der Anthropic und Meta Milliarden an der Börse einsammeln wollen.

Was sich konkret ändert

Anleger in China-Fonds
Weil KI-Werte rund 42 Prozent des Börsenwerts in China und Hongkong ausmachen, trifft der Rückgang auch breit gestreute China-Fonds.
Industriekunden
Wenn ein Preiskrieg unter chinesischen Chip- und KI-Zulieferern einsetzt, werden Komponenten billiger und europäische Konkurrenten geraten unter Druck.
Junge Tech-Firmen in China
Die Börse als Geldquelle wird enger; Fondsmanager erwarten, dass geplante Börsengänge ausfallen.

Worauf zu achten ist

Quellen

  1. Reuters via Kathmandu Post: In China, the AI bubble has already burst (27.10.2026)
  2. Geo News: AI bubble bursts in China as STAR50 Index plunges 40%, erasing $480 billion (26.10.2026)
  3. Newsmax via Yahoo Finance: China's STAR 50 Index Plunges 40% as AI Profit Hopes Fade (27.10.2026)

Teilen

Sonntags im Postfach

Die 5 Signale der Woche.

Jeden Sonntag die fünf Entwicklungen, die für Unternehmer, Investoren und Führungskräfte zählen. Kostenlos, Abmeldung jederzeit.

Mehr aus Märkte