Rechenzentren auf Pump: Anleihegläubiger tragen mehr KI-Risiko
Oracle bietet seit dem 2. November Anleihen über 10 Mrd. Dollar und zusätzlich neue Aktien über 10 Mrd. Dollar an; S&P senkte am 30. Oktober den Ausblick für Metas Bonität auf negativ.
Die großen Bauherren der KI finanzieren Rechenzentren zunehmend mit Schulden und neuen Aktien statt aus dem laufenden Geschäft. Damit wandert das Risiko des KI-Ausbaus von den Aktionären auch zu den Anleihegläubigern.
Was passiert ist
Oracle vermarktet laut Börsenaufsicht SEC Anleihen in sechs Tranchen mit Laufzeiten von 2029 bis 2046, geführt von BofA, unter den Banken ist auch die Deutsche Bank. Getrennt davon verkauft der Konzern neue Aktien über 10 Mrd. Dollar. Auf dem Investorentag am 28. Oktober hatte Oracle angekündigt, bis zum Geschäftsjahr 2030 bis zu 20 Mrd. Dollar frisches Kapital aufzunehmen, je zur Hälfte Schulden und Eigenkapital. Im Geschäftsjahr bis Mai 2026 gab Oracle 55,7 Mrd. Dollar für Rechenzentren aus, Ende August standen Verbindlichkeiten von 236,1 Mrd. Dollar in der Bilanz. Positiven freien Cashflow erwartet der Konzern erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028; im ersten Quartal lag er bei minus 5,4 Mrd. Dollar, der Zinsaufwand stieg um 55 Prozent. Die Aktie fiel am Montag zeitweise um rund 4 Prozent. Bei Meta beließ S&P das Rating bei AA-, stellte aber eine Herabstufung in Aussicht: Die Verschuldung im Verhältnis zum Ergebnis könne schon 2027 über das Einfache steigen, nach etwa 0,1 im Vorjahr. Meta fehle ein Cloud-Geschäft, das Rechenleistung vermietet. Meta widerspricht der Einschätzung.
Was daraus folgt
Für Anleger verschiebt sich die Frage, wer den KI-Ausbau bezahlt. Kauften die Konzerne bisher vor allem eigene Aktien zurück, holen sie jetzt Geld am Kapitalmarkt; Alphabet hatte Ende Oktober seine Rückkäufe gestoppt, Meta kurz zuvor eine Aktienemission über 35 Mrd. Dollar gestartet. Einordnung: Wenn Ratingagenturen ihre Ausblicke weiter senken, steigen die Zinsen, die diese Unternehmen für neue Schulden zahlen, und die Kurse bestehender Anleihen geraten unter Druck. Davon wären Rentenfonds und Pensionskassen betroffen, die Papiere großer US-Technologiekonzerne halten, weil sie bisher als besonders sicher galten. Ob die Investitionen sich auszahlen, entscheidet sich erst in einigen Jahren; die Schulden laufen zum Teil bis 2046.
Was sich konkret ändert
- Fondsanleger
- Anleihefonds halten oft Papiere von Oracle und Meta. Ihr Risiko hängt nun stärker davon ab, ob sich der KI-Ausbau rechnet.
- Aktionäre
- Neue Oracle-Aktien über 10 Mrd. Dollar verwässern bestehende Anteile; Meta hatte kurz zuvor eine Emission über 35 Mrd. Dollar gestartet.
- Cloud-Kunden
- Wer bei Oracle Rechenleistung mietet, bindet sich an einen Anbieter, der erst ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 positiven freien Cashflow erwartet.
Worauf zu achten ist
- Zinsaufschlag, den Oracle bei der Preisfestsetzung der Anleihen zahlen muss
- Weitere Ausblicksänderungen von S&P, Moody's oder Fitch bei KI-Bauherren
- Freier Cashflow von Meta und Oracle in den nächsten zwei Quartalen
Quellen
- Bloomberg: Oracle Launches $10 Billion Sale of US Investment Grade Bonds
- CNBC: Oracle files to sell $20 billion in new stock, bonds to finance AI buildout
- The Next Web: Oracle launches $10B bond sale alongside $10B share offering
- 24/7 Wall St.: Oracle declines 4% as $10 billion bond sale revives AI debt worries
- The Next Web: S&P turns negative on Meta as AI spending eats into its cash
- Taipei Times: S&P cuts Meta's outlook to negative