Strompreis als Wahlthema: Gewinnt der Baustopp, wird KI-Ausbau teurer
Bei den Wahlen am 3. November werden in 36 US-Bundesstaaten Gouverneure und in neun Staaten Mitglieder der Aufsicht über Versorger gewählt; die Strompreise für Haushalte sind laut Daten der Energiebehörde EIA seit 2024 um mehr als 10 Prozent gestiegen.
Die Stromrechnung wird zum Wahlthema, und mit ihr die Frage, wer den Netzausbau für Rechenzentren bezahlt. Kandidaten in mehreren Staaten werben offen mit einem Baustopp für neue Rechenzentren.
Was passiert ist
Laut Reuters stiegen die Strompreise für Haushalte in den USA seit 2024 um mehr als 10 Prozent und damit schneller als andere Preise. In Ohio, Michigan und Pennsylvania, die als Schwerpunkte für Rechenzentren gelten, legten die Rechnungen stärker zu, in Ohio um mehr als 20 Prozent in zwei Jahren. Versorger beantragen in diesem Jahr voraussichtlich wieder Preiserhöhungen in Rekordhöhe von rund 31 Mrd. Dollar und wollen in fünf Jahren fast 1,3 Billionen Dollar investieren. In Ohio unterstützt die Demokratin Amy Acton einen Baustopp für Rechenzentren, ihr Gegner Vivek Ramaswamy verspricht Anwohnern von Rechenzentren, sie müssten keine Stromrechnung zahlen. Laut Newsweek werben Kandidaten in mindestens zwölf Staaten für ein Moratorium; New York hat im Juli als bisher einziger Staat eine einjährige Pause für große neue Anlagen beschlossen. In einer Gallup-Umfrage vom März lehnten 71 Prozent der Befragten ein Rechenzentrum in ihrer Nähe ab. Die EIA erwartet, dass der Stromabsatz an Gewerbe, zu dem Rechenzentren zählen, 2027 erstmals den an Haushalte übersteigt.
Was daraus folgt
Für den KI-Ausbau der großen Cloudanbieter wird Strom damit zur politischen Größe, nicht nur zur technischen. Wo Baustopps kommen oder Betreiber ihre Netzkosten selbst tragen müssen, steigen Kosten und Wartezeiten, und neue Standorte wandern in Staaten mit lockereren Regeln. Versorger geraten von zwei Seiten unter Druck: Sie müssen investieren, während die Politik Preise und Renditen deckelt; die Ratingagentur Fitch senkte im Juni den Ausblick für nordamerikanische Versorger auf verschlechternd. Einordnung: Die Wahl entscheidet die Regeln nicht allein. Charles Hua von der Organisation PowerLines erwartet die eigentlichen Entscheidungen erst nach der Wahl, in den Aufsichtsbehörden.
Was sich konkret ändert
- Investoren
- Wenn Staaten Baustopps oder eigene Netzkosten für Rechenzentren beschließen, wird der KI-Ausbau der Cloudanbieter teurer und langsamer.
- Versorger
- Politischer Druck auf Strompreise trifft die erlaubten Renditen; Fitch senkte den Ausblick für nordamerikanische Versorger im Juni.
- Unternehmen
- Wer in den USA Rechenzentren plant oder Kapazität mietet, muss dort mit strengeren Auflagen rechnen, wo Kandidaten mit Baustopp gewinnen.
Worauf zu achten ist
- Ergebnisse in Ohio, Pennsylvania und Georgia sowie bei den Versorger-Aufsichten in Arizona und Georgia
- Neue Anträge auf Strompreiserhöhungen nach der Wahl
- Ob weitere Staaten dem New Yorker Baustopp folgen
Quellen
- Reuters via Investing.com: Power bills and data centers cast rare spotlight on utilities in US midterms
- EIA: Short-Term Energy Outlook, Electricity
- Facilities Dive: Commercial electricity sales to surpass residential, EIA says
- Newsweek: Map shows states where governor candidates support data center moratoriums
- Forbes: The energy election, 2026 midterms hold the power over your power bill