Mercedes baut für China mit China-Teilen: Zulieferer unter Druck
Mercedes-Benz hat die Prognose für die Pkw-Rendite auf 2 bis 3 Prozent gesenkt, erwartet im vierten Quartal eine schwarze Null und will ab der elektrischen E-Klasse 2027 für die Fertigung in China fast alles vor Ort einkaufen.
Vorstandschef Ola Källenius kündigte bei den Quartalszahlen am 28. Oktober an, für die Produktion in China künftig fast alle Teile in China zu beschaffen, beginnend mit der elektrischen E-Klasse in der zweiten Jahreshälfte 2027. Zugleich startet Mercedes das Abfindungsprogramm in Deutschland im Dezember neu.
Was passiert ist
Bisher arbeitete Mercedes in China mit einem Mischmodell: Teile und Technik kamen zu einem Teil aus Europa. Dieses Modell gibt der Konzern auf, um die variablen Kosten deutlich zu senken. Källenius begründet das mit dem Preisdruck: Mehr als 100 Anbieter konkurrieren in China. Die Zahlen zeigen den Druck. Der Pkw-Absatz fiel im dritten Quartal um 8 Prozent auf 407.000 Fahrzeuge, der Rückgang kam vollständig aus China; außerhalb Chinas lag er 1 Prozent im Plus. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte halbierte sich fast von 4,8 auf 2,5 Prozent, das bereinigte Ergebnis sank um 51 Prozent auf 0,6 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Verkaufspreis ging von 66.800 auf 64.500 Euro zurück, die Lagerbestände stiegen um 2,1 Mrd. Euro. Lichtblick sind Elektroautos mit einem Rekord von 68.000 Stück, plus 61 Prozent. Für 2026 erwartet Mercedes nun ein Konzernergebnis auf Vorjahresniveau statt deutlich darüber; für das vierte Quartal nennt Finanzchef Harald Wilhelm im Pkw-Geschäft eine schwarze Null. Weitere Investitionen in Deutschland macht Källenius von einem deutlichen Produktivitätsgewinn abhängig.
Was daraus folgt
Einordnung: Für deutsche Zulieferer fällt damit ein Teil des Geschäfts weg, das sie bisher über die Fertigung deutscher Marken in China gemacht haben. Wenn BMW und Volkswagen ähnlich vorgehen, vervielfacht sich der Effekt; VW hat laut dpa-AFX ebenfalls eine neue China-Strategie angekündigt. Für die Standorte in Deutschland verschärft sich der Wettbewerb um Investitionen, die Mercedes nun ausdrücklich an Produktivität koppelt. Das neu aufgelegte Abfindungsprogramm zeigt, dass der Personalabbau weitergeht, eine Zahl nennt der Konzern nicht. Für Banken, die Zulieferer finanzieren, steigt das Risiko in Regionen wie Baden-Württemberg. Anfang 2027 will Mercedes Entscheidungen zu Technik, Produkten und Betrieb vorlegen.
Was sich konkret ändert
- Zulieferer
- Für Mercedes-Autos aus chinesischen Werken sollen ab 2027 fast alle Teile aus China kommen. Exporte dorthin verlieren an Gewicht.
- Beschäftigte
- Das Abfindungsprogramm in Deutschland startet im Dezember neu. Weitere Investitionen hängen laut Källenius an der Produktivität.
- Kreditgeber
- Sinkende China-Aufträge treffen Zulieferer mit hoher Abhängigkeit von deutschen Herstellern zuerst.
Worauf zu achten ist
- Kapitalmarkt-Update Anfang 2027 mit Entscheidungen zu Technik, Produkten und Standorten
- Teilnahme am Abfindungsprogramm ab Dezember
- Ob BMW und VW ihren Einkauf für China ebenfalls nach China verlagern
Quellen
- Mercedes-Benz Group: 3rd Quarter Results 2026
- Investing.com: Earnings call transcript Mercedes-Benz Q3 2026
- Investing.com: Mercedes-Benz Q3 2026 slides: profit rises but China, cash flow weigh
- onvista: Mercedes Benz legt im dritten Quartal beim Ergebnis zu (28.10.2026)
- finanzen.net: dpa-AFX-Überblick Unternehmen vom 28.10.2026