WORTH
Märkte · Big Tech

Google stoppt Aktienrückkäufe: KI-Ausbau läuft jetzt auf Kredit

Alphabet investierte im dritten Quartal 51,4 Mrd. Dollar, kam auf einen freien Cashflow von minus 9,1 Mrd. Dollar und holte sich 41 Mrd. Dollar über Anleihen und neue Aktien.

WORTH Signals · · 3 Min. Lesezeit · English
Google stoppt Aktienrückkäufe: KI-Ausbau läuft jetzt auf Kredit

Alphabet hat im dritten Quartal 2026 keine eigenen Aktien zurückgekauft, nach 11,5 Mrd. Dollar ein Jahr zuvor, und stattdessen netto 28,7 Mrd. Dollar über Anleihen sowie 12,4 Mrd. Dollar über neue Aktien eingesammelt. Der freie Cashflow lag bei minus 9,1 Mrd. Dollar, die Aktie fiel nachbörslich um rund 10 Prozent.

Was passiert ist

Bisher bezahlten die großen Technologiekonzerne den KI-Ausbau aus dem laufenden Geschäft und gaben Überschüsse über Rückkäufe an die Aktionäre zurück. Bei Alphabet kehrt sich das um. Die Investitionen stiegen binnen eines Jahres von 24,0 auf 51,4 Mrd. Dollar je Quartal, der operative Cashflow sank um 13 Prozent auf 42,3 Mrd. Dollar. Die langfristigen Schulden kletterten von 46,5 Mrd. Dollar Ende 2025 auf 125,1 Mrd. Dollar. Über ein laufendes Programm kann Alphabet weitere Aktien für 27,6 Mrd. Dollar ausgeben. Für 2026 bleibt der Investitionsplan bei 195 bis 205 Mrd. Dollar, für 2027 kündigte Finanzchefin Anat Ashkenazi einen deutlichen Anstieg an. Die Nachfrage ist dabei belegt: Der Umsatz von Google Cloud verdoppelte sich auf 30,7 Mrd. Dollar, der Auftragsbestand liegt bei 561 Mrd. Dollar, davon sollen rund 55 Prozent binnen 24 Monaten zu Umsatz werden. Das Problem ist das Tempo. Das Geld fließt schneller ab, als es hereinkommt. Auch Microsoft meldete einen Rückgang des freien Cashflows um 27 Prozent auf 18,6 Mrd. Dollar.

Was daraus folgt

Einordnung: Der KI-Ausbau hängt damit stärker am Kapitalmarkt. Steigen die Zinsen weiter, wird jede neue Anleihe teurer, und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt wieder über 5 Prozent. Für Aktionäre ändert sich die Rechnung: Statt Rückkäufen, die den Anteil pro Aktie erhöhen, kommen neue Aktien hinzu, die ihn verwässern. Gewinner sind vorerst die Zulieferer. Alphabet weist Abnahmeverpflichtungen von 924 Mrd. Dollar aus, das stützt Chip-, Strom- und Bauaufträge auf Jahre. Wenn die Nachfrage nach Cloud-Rechenleistung hinter den Plänen zurückbleibt, bleiben die Schulden dennoch stehen. Für europäische Unternehmen heißt das zunächst mehr Rechenkapazität im Angebot; ob die Preise dafür sinken oder steigen, hängt davon ab, wie schnell die Anbieter ihre Finanzierungskosten weitergeben.

Was sich konkret ändert

Aktionäre
Im dritten Quartal gab es keine Rückkäufe, dafür neue Aktien für 12,4 Mrd. Dollar. Das verteilt den Gewinn auf mehr Anteile.
Anleihemärkte
Alphabet hat seine langfristigen Schulden seit Ende 2025 fast verdreifacht. Weitere Tech-Anleihen erhöhen das Angebot an Unternehmensanleihen.
Zulieferer
Abnahmeverpflichtungen von 924 Mrd. Dollar sichern Aufträge für Chips, Netze und Rechenzentren über Jahre.
Cloud-Kunden
Der Auftragsbestand von 561 Mrd. Dollar zeigt, wie viel Kapazität bereits vergeben ist; neue Kunden konkurrieren um den Rest.

Worauf zu achten ist

Quellen

  1. Alphabet: Announces Third Quarter 2026 Results (Pressemitteilung, PDF)
  2. Investing.com: Earnings call transcript Alphabet Q3 2026
  3. Huggingnews: Alphabet Free Cash Flow Sinks to Negative $9.1B on $51.4B Capex
  4. The Motley Fool: Microsoft and Alphabet Just Reported Earnings (28.10.2026)

Teilen

Sonntags im Postfach

Die 5 Signale der Woche.

Jeden Sonntag die fünf Entwicklungen, die für Unternehmer, Investoren und Führungskräfte zählen. Kostenlos, Abmeldung jederzeit.

Mehr aus Märkte