Krypto-Ersparnisse: Bei Hardware-Wallets wird der Kaufweg zum Risiko
Keystone vernichtet nach einem Einbruch 18.835 Geräte, zwei Wochen nachdem manipulierte Ledger-Wallets aus Südostasien Schäden in zweistelliger Millionenhöhe auslösten.
Der Hersteller Keystone meldete am 26. Oktober, dass Angreifer neben 25.964 Kundendatensätzen auch den Schlüssel erbeutet haben, mit dem sich seine Geräte als echt ausweisen. Damit ließen sich Fälschungen bauen, die die Echtheitsprüfung bestehen, weshalb Keystone 18.835 Geräte aus dem Lager vernichtet.
Was passiert ist
Hardware-Wallets gelten als sicherste Art, Kryptowerte privat zu verwahren, weil die Schlüssel das Gerät nie verlassen. Beide Fälle zeigen, dass der Schwachpunkt vor dem Kauf liegt. Bei Ledger fand das hauseigene Sicherheitslabor in Geräten des südostasiatischen Händlers CryptoBilis nachträglich eingebaute Elektronik, die die Wiederherstellungsphrase bei der Einrichtung abgriff und per Mobilfunk verschickte. Der Sicherheitschip selbst blieb unverändert, die eingebaute Echtheitsprüfung erkennt solche Zusatzbauteile nach Ledgers eigener Dokumentation nicht. Unabhängige Analysten schätzen den Schaden auf 86 bis 93 Mio. Dollar, Ledger hat das nicht bestätigt. MediaMarktSaturn nahm Ledger-Geräte vorsorglich aus dem Angebot; ein manipuliertes Gerät aus einem deutschen Markt ist bisher nicht bestätigt. Bei Keystone ist die Lage anders: Nach Angaben des Herstellers sind Wiederherstellungsphrasen und private Schlüssel nicht betroffen, Schäden sind nicht gemeldet. Gestohlen wurden aber Namen, Adressen und Bestelldaten, die sich für gezielte Betrugsversuche eignen.
Was daraus folgt
Einordnung: Die Branche reagiert mit kürzeren Lieferketten. Ledger verkauft sein neues Gerät zunächst nur direkt, Trezor beendet nach Fachberichten Partnerschaften mit Wiederverkäufern, Keystone stellt auf neue Schlüssel und Vorbestellungen um. Für den Handel wird der Vertrieb solcher Geräte teurer und haftungsträchtiger. Für Besitzer heißt das: Ein bestandener Echtheitstest ist kein vollständiger Beweis mehr. Wer Kundendaten verliert, liefert Betrügern Material für glaubwürdige Rückruf- oder Prüfangebote. Keystone erklärt, dass es keine Geräte zurückfordert und niemand Guthaben verschieben muss. Keystone hat den Vorfall nach eigenen Angaben Behörden in der EU und Großbritannien gemeldet und will Betroffene einzeln informieren. Ob es weitere Fälle in Europa gibt, ist offen.
Was sich konkret ändert
- Besitzer von Hardware-Wallets
- Geräte nur beim Hersteller oder direkt autorisiert kaufen. Die Wiederherstellungsphrase nie auf Websites eingeben, auch nicht zur angeblichen Prüfung.
- Keystone-Kunden
- Vor dem 20. Oktober gelieferte Geräte gelten laut Hersteller als sicher, später gelieferte mit altem Schlüssel sollen vor Nutzung vom Support geprüft werden.
- Händler
- Ledger verbietet den Weiterverkauf zurückgegebener Geräte und offene Regalware. Vertrieb über Dritte wird strenger kontrolliert.
Worauf zu achten ist
- Individuelle Benachrichtigungen von Keystone und die angekündigte Prüfseite
- Ergebnisse der Ermittlungen zu CryptoBilis und mögliche weitere betroffene Händler
- Ob MediaMarktSaturn Ledger-Geräte wieder ins Sortiment nimmt und unter welchen Auflagen
Quellen
- crypto.news: Keystone to destroy 18,835 hardware wallets after authentication key breach
- Bankless: Keystone breach widens as attacker grabs its device authentication key
- Keystone auf X: Sicherheitsmitteilung (26.10.2026)
- PC Games Hardware: Hardware-Wallet bei Media Markt, Spionageverdacht stoppt Verkauf
- PC-Welt: Media Markt Saturn nimmt manipuliertes Produkt aus seinem Angebot
- Decrypt: Ledger probes potential theft of $87M tied to crypto wallet reseller
- Cryptoticker: Ledger Atom, sold through its own shop only