Lücke im Packformat Brotli trifft auch Python-Software in Firmen
Die als Node2Shell bekannte Schwachstelle CVE-2026-111497 steckt in Googles Brotli-Bibliothek und reicht über Node.js hinaus bis in verbreitete Python-Pakete.
Ein Fehler im Brotli-Decoder von Google, mit 9,2 von 10 Punkten als kritisch eingestuft, erlaubt es Angreifern, mit manipulierten komprimierten Daten Speicher zu beschädigen, im schlimmsten Fall bis zur Ausführung von Code. Betroffen sind neben Node.js auch die Python-Pakete brotli und brotlicffi, über die gängige Bibliotheken wie urllib3, requests, httpx und aiohttp komprimierte Antworten entpacken.
Was passiert ist
Brotli ist ein Kompressionsformat, mit dem Webserver Daten verkleinert ausliefern. Software entpackt solche Daten oft automatisch, ohne dass Entwickler das bewusst eingebaut haben. Node.js veröffentlichte am 21. Oktober Sicherheitsupdates, die Lücke selbst wurde am 22. Oktober registriert. Gefunden haben sie zwei Forscher von OpenAI Codex Security, einem KI-gestützten Prüfwerkzeug. Betroffen sind die Brotli-Versionen 1.0.3 bis 1.2.0. Für Python gilt: Wer brotli oder brotlicffi installiert hat, dessen HTTP-Bibliotheken entpacken Brotli-Antworten, auch wenn der eigene Code das Paket nie direkt aufruft. Das betrifft Datenabrufe, Schnittstellen zu Zahlungs- und Bankdiensten, Web-Scraper und interne Werkzeuge. Für Node.js wurde Codeausführung öffentlich vorgeführt, für die Python-Pakete bisher nicht. Angriffe in freier Wildbahn waren bis zum 23. Oktober nicht bekannt, die Lücke steht nicht im Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen der US-Behörde CISA.
Was daraus folgt
Einordnung: Nach den PHP-Lücken der Vorwoche zeigt der Fall ein Muster. Kritische Fehler sitzen zunehmend in Bausteinen tief unter der eigentlichen Anwendung, und KI-Werkzeuge finden sie schneller. Das hilft Verteidigern, verkürzt aber auch die Zeit zwischen Veröffentlichung und möglichem Angriff. Für Unternehmen heißt das: Wer nur die eigenen Anwendungen pflegt, übersieht Risiken in Abhängigkeiten. Schützen lässt sich mit Updates: Node.js auf 22.23.4, 24.22.1 oder 26.12.1, die Python-Pakete brotli auf 1.2.1 und brotlicffi auf 1.2.1.0, Brotli selbst auf 1.0.10, 1.1.1 oder 1.2.1. Für ältere Node.js-Linien wie 20.x gibt es keinen Fix. Ein in Foren genannter Zusammenhang mit JSON-Verarbeitung ist nicht belegt. Das Python-Werkzeug pip ist nach Angaben von Cycode nicht betroffen, weil dort Brotli deaktiviert ist.
Was sich konkret ändert
- IT-Abteilungen
- Node.js, Python-Pakete brotli und brotlicffi sowie mitgelieferte Brotli-Versionen prüfen und auf die korrigierten Fassungen aktualisieren.
- Unternehmen mit Python-Diensten
- Auch Anwendungen, die Brotli nie direkt nutzen, können betroffen sein, wenn das Paket installiert ist und HTTP-Bibliotheken Antworten automatisch entpacken.
- Nutzer
- Für Privatnutzer ist kein eigener Schritt bekannt. Das Risiko liegt bei Server- und Anwendungsbetreibern.
Worauf zu achten ist
- Ob die Lücke in den CISA-Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen wird
- Updates von Linux-Distributionen und Cloud-Anbietern für mitgelieferte Brotli-Versionen
- Weitere Funde durch KI-gestützte Prüfwerkzeuge in verbreiteten Bibliotheken
Quellen
- Node.js: October 2026 Security Releases (21.10.2026)
- GitHub Advisory GHSA-9v8h-qqgm-4m35 (CVE-2026-111497)
- Aikido: Python packages vulnerable to Node2Shell Brotli CVE-2026-111497
- Cycode: node2shell (CVE-2026-111497), what to patch