Nvidia macht einen Münchner Humanoiden zur Referenzplattform
Auf der GTC in Berlin stellten Nvidia und Agile Robots einen vorkonfigurierten Forschungsroboter vor, Nvidia baut damit seinen Software-Standard für Roboter aus.
Nvidia hat am 21. Oktober auf der GTC Berlin den Agile ONE SN des Münchner Herstellers Agile Robots als Referenz-Humanoiden für seine Robotik-Plattform Isaac vorgestellt. Agile Robots will laut Reuters 2027 bis zu 2.000 dieser kleinen Humanoiden bauen, die Auslieferung soll Anfang 2027 beginnen.
Was passiert ist
Der Roboter selbst ist kein Industriegerät: 1,40 Meter groß, rund 40 Kilogramm schwer, bis zu 3 Kilogramm Traglast pro Arm. Er richtet sich an Universitäten und Forschungslabore. Interesse haben laut Hersteller Stanford und die ETH Zürich bekundet, Aufträge sind nicht bestätigt. Entscheidend ist das Paket: Nvidias Bordrechner Jetson Thor, das offene Robotermodell GR00T und eine durchgängige Werkzeugkette von der Datenerfassung bis zum Einsatz sind vorinstalliert. Nvidia beziffert die Ersparnis für Forscher auf zwei bis drei Monate Integrationsarbeit.
Parallel kündigte Nvidia ein offenes Laufzeitsystem für Roboter, die Version 3.0 seiner Trainingsumgebung Isaac Lab und eine Sicherheitsplattform an. Die Partnerliste liest sich wie ein Verzeichnis der europäischen Automatisierungsbranche: ABB, KUKA, Universal Robots, NEURA Robotics, Sereact, Schaeffler als Lieferant von Antriebstechnik und TÜV SÜD für die Zertifizierung. Roboterfähigkeiten werden zunehmend in Nvidias Umgebung trainiert. Agile Robots wurde 2018 als Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 3.500 Mitarbeiter.
Was daraus folgt
Die Logik erinnert an die Rechenzentren: Wer die Entwicklungsumgebung stellt, mit der Forscher und Ingenieure arbeiten lernen, prägt später die Kaufentscheidungen. Gelingt Nvidia das in der Robotik, verschiebt sich die Wertschöpfung von der Mechanik zu Rechner, Modell und Trainingsdaten. Für deutsche Maschinenbauer bleibt Hardware-Kompetenz notwendig, verliert aber an Preissetzungsmacht, wenn die Intelligenz eines Roboters aus einem fremden Ökosystem kommt. Zugleich sinken die Einstiegskosten für Mittelständler, die Automatisierung erproben wollen. Unsicher ist, wie schnell aus Forschungsplattformen produktive Anwendungen in Fabrik und Lager werden. Belastbare Einsatzzahlen für Humanoide jenseits von Pilotprojekten gibt es bislang kaum.
Worauf zu achten ist
- Tatsächliche Stückzahlen und erste bestätigte Kunden des Agile ONE SN im ersten Halbjahr 2027
- Ob europäische Anbieter wie NEURA oder RobCo eigene Software-Plattformen halten oder auf Nvidia-Modelle setzen
- Erste Zertifizierungen humanoider Roboter für den Industrieeinsatz, etwa durch TÜV SÜD
Quellen
- NVIDIA: Advances Isaac Platform for General-Purpose Robotics (GTC Berlin)
- Agile Robots: Agile Robots Launches Agile ONE SN
- Reuters: Germany's Agile to make up to 2,000 humanoid robots with Nvidia